Aufgeben?

Auszug aus not just sad. Verfasst von Alexandra Ranner.

 

Ich habe Schmerzen. Mein Rücken tut weh. Ich bin müde. Ich kämpfe und es macht mich müde. Alles macht mich fertig, inklusive mir selbst. Ich will nicht mehr in diesem Körper leben, einem Körper, dem ich Schlimmes angetan habe. Ich habe mich vernachlässigt. Ich habe alle Freude aus meinem Leben verschwinden sehen und konnte nichts tun.

Warum will ich eigentlich leben trotz dem ganzen Scheiß, mit dem ich mich täglich herum schlagen muss?

Ablehnung, Unfähigkeit, Erschöpfung, Enttäuschung, Unsicherheiten.

Von mir, von anderen, von mir, von anderen, von mir, von anderen.

Warum habe ich mich entschlossen zu bleiben?

Da ist dieser Teil von mir, der aus der letzten Ecke ruft, leise, aber in dem Trubel macht er sich bemerkbar, er ruft:

„Du bist mehr wert als aufgeschlitzte Adern, Zyankali oder ein Seil, für das du den richtigen Knoten erst mal googlen müsstest. Du hast etwas zu bieten…“

Und hier breche ich entzwei. Ich breche in der Mitte auseinander in einer Dreiecks-Hass-Liebe mit mir selbst.

Da ist das Licht in mir. Die kreative, lustige Person, die feiert, zuhört und nichts besser kann als alles im Griff zu haben. Ich will leben, will da sein, atmen, riechen, hören, spüren, leuchten.

Da ist die Dunkelheit, das schwarze Loch, alles Helle in sich saugend. Was bleibt… bohrende Fragen.

Wo ist das Licht hin? Die Persönlichkeit? Die Stärke? Warum komme ich nicht raus? Ich kann doch so viel. Warum scheitere ich an mir selbst? Was mache ICH falsch?

Warum habe ich Angst davor glücklich zu sein? Warum kann mein Licht mir kein Leben schenken? Warum lasse ich es zu, dass das blühende Beet meiner Persönlichkeit im Schatten der Depression verwelkt?

Ich habe Depressionen. Ich habe Depressionen.

Das schwarze Loch, was mein Innerstes zunichte machen möchte, ist eine Krankheit, eine Seuche. Alles scheidet sich an mir, zerreißt mich von innen heraus. Nie so sehr, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Nur solange ich noch schreien kann, kann das schwarze Loch überleben. Das schwarze Loch kann nicht ohne mich leben, also wird es mich am Leben halten.

Soll ich also aufgeben? Soll ich einfach aufgeben und gehen?

Ich werde nicht gehen.

Ich bin stur.

Das schwarze Loch kann nicht ohne mich leben. Ich kann aber ohne das schwarze Loch leben. Auch wenn es versucht mir das auszureden.

Ich werde den Spieß umdrehen.Wo es zieht, werde ich schieben.Wo es in der Dunkelheit lauert, werde ich mich von hinten anschleichen.Ich werde einen Weg finden, leise, ruhig, Tag für Tag, Moment für Moment.

Ich gebe nicht auf. Ich gebe nicht auf. Ich gebe nicht auf.

Und wenn ich zurückweiche, nehme ich nur Anlauf.

Denn ich werde nicht aufgeben.